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Recall – damit Claude Code projektübergreifend etwas findet

Claude erinnert sich pro Projekt – aber nicht projektübergreifend. Recall macht alle deine alten Sessions und Notizen durchsuchbar, lokal, ohne Cloud. Open Source, MIT.

5 min LesezeitKI
Recall – damit Claude Code projektübergreifend etwas findet

Wenn du Claude öfter als ein paar Mal die Woche benutzt, kennst du den Moment: Du fragst nach etwas, das du letzten Monat schon mal mit ihm durchgespielt hast – und Claude fängt bei null an. Drei Iterationen lang erklärst du dieselben Zusammenhänge, kommst zur selben Schlussfolgerung. Vor vier Wochen hast du das schon einmal getan, in einem anderen Projekt. Aber Claude weiß davon nichts. Er sieht immer nur das eine Projekt, in dem ihr gerade sitzt.

Genau dieses Loch füllt recall. Es ist ein kleines Werkzeug, das alle deine alten Claude-Code-Unterhaltungen und Notizen durchsuchbar macht – über alle Projekte hinweg. Ab heute auf GitHub unter github.com/Pixzl/recall, Open Source unter MIT-Lizenz, installierbar über npm mit dem Paket pixzl.

Wofür das gut ist

Stell dir vor, du arbeitest in einem neuen Projekt und fragst Claude: „Wie haben wir Login-Mails eigentlich neulich aufgesetzt?" Bisher antwortet Claude generisch. Mit recall installiert antwortet Claude mit Bezug auf das, was ihr tatsächlich vor drei Wochen entschieden habt: in welchem Projekt das war, welche Bibliothek, welches Pattern, welche Sackgasse, die ihr verworfen habt. Die Antwort wird konkret statt generisch, weil Claude im Hintergrund deine eigene Historie durchsucht.

Dasselbe gilt für deine Notizen. Wer Claude Code nutzt, hat irgendwann in einem memory-Ordner Sachen wie „wir haben uns für Token-Bucket-Rate-Limiting entschieden" oder „Stripe-Webhook-Setup steht in der webhooks.md". Recall macht diese Schnipsel über alle Projekte gemeinsam durchsuchbar. Wer Claude sauber als Wissensspeicher anlernt – und wir haben dazu einen eigenen Beitrag geschrieben –, bekommt damit eine durchsuchbare persönliche Knowledge-Base obendrauf.

Installation in drei Befehlen

# 1. Recall installieren
npm install -g pixzl

# 2. Index einmal aufbauen (5–15 min beim ersten Mal)
recall index

# 3. Bei Claude Code anmelden
claude mcp add recall -- npx pixzl mcp

Mehr ist nicht. Wer noch nie etwas über npm installiert hat: das ist der gleiche Befehl, mit dem Claude Code selbst installiert wurde. Node 20 oder neuer ist Voraussetzung – das hat dein Mac bzw. Linux-System ohnehin, sobald Claude Code läuft.

Nach dem letzten Schritt hat Claude in jeder neuen Unterhaltung zwei zusätzliche Funktionen im Werkzeugkasten und nutzt sie eigeninitiativ, sobald deine Frage in die Vergangenheit greift. Du musst nicht extra darauf hinweisen.

Beim allerersten recall index-Lauf lädt Recall einmal ein etwa 120 MB großes Sprachmodell aus dem Netz. Das ist die einzige Stelle, an der überhaupt Daten aus dem Netz gezogen werden – danach läuft alles offline. Jeder weitere Index-Lauf ist inkrementell und in wenigen Sekunden durch.

Wie eine Suche aussieht

Du kannst auch ohne Claude direkt im Terminal suchen, was eine ganz praktische Knowledge-Base-Funktion ist:

$ recall search "wie haben wir Login-Mails versendet"

1.000  session 2026-03-12  ~/dev/blog
  …wir nehmen Resend für Magic-Links statt Mailgun, der DKIM-Setup
  war in zehn Minuten durch, und das React-Email-Template…

0.96   memory  2026-02-28  ~/dev/blog
  [memory:auth.md] Magic-Link-Flow läuft über Resend, Template
  in `emails/MagicLink.tsx`. Cookie-Name `__Host-session`…

Beide Ergebnisse stammen aus einem fremden Projekt, das du gerade gar nicht offen hast. Genau das war der Punkt. Du bekommst kurze Auszüge mit Datum, Projekt-Pfad und einer Trefferqualität – ohne das gesamte Gespräch lesen zu müssen.

Alles bleibt lokal

Das ist uns wichtig genug, um es einzeln zu sagen: Recall schickt nichts weg. Die Datenbank liegt auf deinem Rechner, das Suchen passiert auf deinem Rechner, das Sprachmodell für die semantische Suche läuft auf deinem Rechner. Keine Telemetrie, keine Account-Anmeldung, keine Auto-Updates, kein Phone-Home.

Außerdem werden vor dem Speichern automatisch Geheimnisse aus den Texten gefiltert: API-Schlüssel, Tokens, Passwörter, private Zertifikate. Wenn du Claude irgendwann mal einen Stripe-Secret-Key gezeigt hast, landet der nicht im Index. Stattdessen steht da [REDACTED:stripe_key]. Das ist nicht 100 % perfekt – kein Filter ist das – aber die offensichtlichen Muster fängt er ab, bevor irgendwas auf die Platte geht.

Die naheliegende Alternative wäre ein gehosteter Vector-Store gewesen: drei Zeilen Setup, „connect to my account" und gut. Hätten wir auch so gebaut. Aber dann liegen deine Sessions inklusive Anwalts-Mails, NDA-Snippets und API-Geheimnissen bei einem fremden Anbieter. Das wollten wir uns für die eigene Nutzung nicht antun, und vermuten, dass es euch ähnlich geht.

Für die Tech-Interessierten – kurz unter der Haube

Wer wissen will, was unten läuft: Recall ist eine lokale SQLite-Datenbank mit einer Mischung aus Vektor-Suche (für „ähnlich gemeint") und klassischer Volltext-Suche (für „dieses exakte Wort"). Beide Suchen laufen parallel, die Ergebnisse werden zusammengeführt und nach Relevanz sortiert. Das funktioniert besser als jedes der beiden Verfahren allein, gerade für Code- und Konversations-Inhalte, in denen mal Pfade exakt vorkommen und mal Konzepte umschrieben werden.

Indexiert wird in sinnvollen Einheiten: pro Unterhaltungs-Schritt – also eine Frage von dir plus alles, was Claude darauf gemacht hat, bis du die nächste Frage stellst. Das ist die richtige Korn-Größe, weil einzelne Nachrichten zu wenig Kontext haben und ganze Sessions zu unspezifisch sind.

Wer in die Architektur tief reinschauen will: die README im Repo hat ein ASCII-Diagramm, Datenfluss und Stack-Liste. Drei Hauptkomponenten, alle ausgetauschbar, alles dokumentiert.

Was als nächstes kommt

Recall ist heute in Version 0.1.1. Was wir als nächstes ergänzen wollen:

  • Automatisches Mitschreiben, sodass neue Sessions ohne erneuten recall index-Lauf in den Index wandern
  • Auch die CLAUDE.md mitindizieren, also die Projekt-Anweisungs-Datei, die viele schon pflegen
  • Eine Terminal-Oberfläche für die, die nicht durch Claude, sondern direkt suchen wollen
  • Eine .recallignore-Datei für Projekte, die du explizit aus dem Index raushalten willst – etwa Kunden-NDAs

Issues und Feature-Wünsche sind offen unter github.com/Pixzl/recall/issues. Was du an Edge-Cases hast, ist das wertvollste, was wir hören können – wir entwickeln das Ding gegen reale Use-Cases, nicht gegen Demo-Datensätze.

Wo du anfängst

Falls du Claude in mehr als einem Projekt benutzt, und auch nur ansatzweise spürst, dass dir kontext-übergreifende Erinnerung fehlt: installier recall einmal, lass den Index laufen, melde ihn bei Claude an, und stell die nächste Frage, deren Antwort eigentlich in einem anderen Projekt schon mal aufgekommen ist. Wenn Claude sie findet, ist das vermutlich der Punkt, an dem du den ersten Aha-Moment hast.

npm install -g pixzl
recall index
claude mcp add recall -- npx pixzl mcp

Das Repo lebt unter github.com/Pixzl/recall. MIT-Lizenz, 100 % lokal, ein npm install entfernt.

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Dominik Rieken

Über den Autor

Dominik Rieken

Founder, Pixzl

Ich bin Gründer von Pixzl, einer Digitalagentur mit Software-Fokus aus dem Münsterland. Wir entwickeln Web-, App-, SaaS- und KI-Lösungen für Kunden und betreiben mehrere eigene Apps im App Store (Deploir, Pixzl) sowie eine Reihe interner Tools und Plattformen für unsere täglichen Workflows. Hier schreibe ich über die Praxis-Lehren — Architektur-Entscheidungen, Self-Hosting-Erfahrungen, App-Store-Ökonomie und alles dazwischen.