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ChatGPT Ads: Der erste echte Herausforderer für Google Ads?

Seit September kann jede Firma in Deutschland selbst Anzeigen in ChatGPT schalten. Wie das funktioniert, wie weit OpenAI von Google entfernt ist und was wir raten.

5 min LesezeitMarketing
ChatGPT Ads: Der erste echte Herausforderer für Google Ads?
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Seit dem 24. August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung. Seit Anfang September können Unternehmen mit Sitz in Deutschland diese Anzeigen selbst buchen, über den Ads Manager von OpenAI, ohne Agentur und ohne Mindestbudget. Das klingt nach einer Randnotiz. Wir halten es für den ersten ernsthaften Angriff auf Googles Suchwerbung seit Langem.

Uns interessiert vor allem eine Frage: Überholt ChatGPT eines Tages Google Ads? Heute sprechen die Zahlen klar für Google. Bei der Richtung ist das weniger eindeutig, und Google weiß das auch.

So funktionieren die Anzeigen

Werbung sehen nur eingeloggte Nutzer mit dem kostenlosen Tarif oder mit Go, dem günstigsten Abo. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei, Minderjährige bekommen keine Anzeigen. Die Anzeige steht als Karte unter der Antwort: Bild, Name, Logo, eine kurze Überschrift, ein Satz Text und ein Link. Sie ist als „gesponsert" markiert. Laut OpenAI hat sie keinen Einfluss auf die Antwort selbst. Gesundheit und Politik bleiben werbefrei.

Der größte Unterschied zu Google: Man bucht keine Suchbegriffe. ChatGPT spielt die Anzeige nach dem Thema des laufenden Gesprächs aus, und beim Einrichten beschreibt man, zu welchen Themen sie passen soll. In Europa ist die Werbung vorerst nicht personalisiert. Frühere Chats und die Memory-Funktion bleiben außen vor. OpenAI wertet nur das aktuelle Gespräch aus, dazu Sprache, Gerät, Standort und Tageszeit.

Abgerechnet wird pro Klick oder pro tausend Einblendungen. OpenAI empfiehlt als Startgebot 3 bis 5 $ pro Klick, das ist nicht billig. Shops haben noch eine Hürde mehr. Seit dem 4. September setzen Shopping-Anzeigen einen angebundenen Produktfeed voraus. Für Shopify gibt es dafür seit dem 23. September auch außerhalb der USA eine offizielle App. Wer auf Shopware oder einem anderen System verkauft, muss den Feed selbst bereitstellen.

Warum das Google gefährlich werden kann

Da ist zuerst die Reichweite. OpenAI nannte im Februar 900 Mio. Nutzer pro Woche weltweit. In der EU kommt allein die Suchfunktion von ChatGPT laut OpenAIs eigener Meldung auf rund 159 Mio. Nutzer im Monat. Deshalb hat die EU-Kommission ChatGPT am 31. August als sehr große Online-Suchmaschine eingestuft, als ersten KI-Chatbot überhaupt. Rechtlich spielt ChatGPT damit in derselben Liga wie Google und Bing.

Dann die Frage selbst. Bei Google tippt man drei Wörter. ChatGPT bekommt oft die ganze Situation erzählt: das Budget, die Größe des Betriebs, was schon ausprobiert wurde. Laut OpenAI hat jedes fünfte Gespräch einen Kaufbezug. Für Werbung ist das ein besseres Signal als ein Keyword.

Und es geht schnell. Nach OpenAIs Angaben hat die Werbung in weniger als 200 Tagen eine Jahresrate von 1 Mrd. $ erreicht, mit zehntausenden Werbetreibenden. Die Nutzer laufen deswegen auch nicht weg. In einer Forrester-Umfrage sagten 83 Prozent, sie würden kostenlose KI-Tools auch mit Werbung weiter nutzen. Nur 6 Prozent würden für eine werbefreie Version zahlen.

Das stärkste Argument liefert Google selbst. Im Mai hat Google neue Anzeigenformate für die KI-Suche vorgestellt, darunter Anzeigen, die direkt in KI-generierten Empfehlungslisten stehen. In den USA testet Google Werbung im AI Mode. So reagiert niemand, der die Verschiebung für eine Mode hält.

Wie weit der Weg noch ist

Balkendiagramm Werbeumsatz pro Jahr in Milliarden US-Dollar: Google-Suchwerbung heute 253,1, hochgerechnet aus dem zweiten Quartal 2026. ChatGPT Ads heute 1, als Jahresrate laut OpenAI. OpenAIs eigener Plan: 2,5 im Jahr 2026, 11 im Jahr 2027, 25 im Jahr 2028, 53 im Jahr 2029 und 100 im Jahr 2030. Selbst der Plan für 2030 liegt unter der Hälfte von Googles heutigem Umsatz mit Suchwerbung.
Werbeumsatz pro Jahr in Milliarden US-Dollar. Google: Umsatz mit Suchwerbung im zweiten Quartal 2026 mal vier. ChatGPT Ads: Jahresrate laut OpenAI, Stand 1. September 2026. Plan: OpenAI-Prognose laut Axios. Daten: Alphabet, OpenAI, Axios. Visualisierung: Pixzl.

Google hat im zweiten Quartal 2026 mit Suchwerbung 63,3 Mrd. $ umgesetzt, 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Aufs Jahr gerechnet sind das gut 250 Mrd. $. ChatGPT Ads steht bei 1 Mrd. $. Allein Googles Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal, 9,1 Mrd. $, ist neunmal so groß wie die gesamte Jahresrate von ChatGPT Ads.

OpenAI plant laut Axios 2,5 Mrd. $ Werbeumsatz für dieses Jahr und 100 Mrd. $ für 2030. Die Rechnung setzt voraus, dass OpenAI bis dahin 2,75 Mrd. Menschen pro Woche erreicht, rund dreimal so viele wie heute. Selbst wenn das aufgeht, läge ChatGPT 2030 bei weniger als der Hälfte dessen, was Google heute mit der Suche verdient. Und Google wächst weiter. Das Marktforschungsunternehmen eMarketer hält den Plan ohnehin für zu hoch gegriffen: Nach seiner Rechnung verfehlt OpenAI das eigene Ziel um rund 90 Prozent.

Dazu kommt das Vertrauen. In einer Ipsos-Umfrage stimmten 63 Prozent der Aussage zu, dass Werbung ihr Vertrauen in KI-Antworten senkt. Bei Google steht die Anzeige neben einer Liste von Links, die man ohnehin selbst prüft. Bei ChatGPT steht sie unter einer Antwort, der man glauben möchte. In der EU wird es außerdem strenger. Als sehr große Suchmaschine muss OpenAI in den nächsten Monaten unter anderem ein öffentliches Archiv aller geschalteten Anzeigen aufbauen und sich jedes Jahr unabhängig prüfen lassen.

Unsere Einschätzung

Dass ChatGPT Google Ads überholt, sehen wir auf absehbare Zeit nicht. Dass Werbung in KI-Antworten die klassische Suchanzeige überholt, halten wir dagegen für wahrscheinlich. Nur ist OpenAI damit nicht allein. Google baut dieselbe Werbeform in die eigene KI-Suche ein und bringt einen eingespielten Anzeigenmarkt samt aller bestehenden Werbekonten mit. Gut möglich, dass am Ende beides stimmt: Die Werbung wandert in die KI-Antwort, und Google verdient trotzdem das meiste Geld damit.

OpenAI muss Google dafür gar nicht überholen. Es reicht, wenn ChatGPT neben Google zum zweiten Kanal wird, den Werbetreibende nicht mehr auslassen können. Das halten wir für realistisch, und das Tempo seit dem Start spricht dafür.

Was wir Unternehmen raten

Wer mit Google Ads heute gute Ergebnisse erzielt, kann ChatGPT Ads mit einem kleinen Testbudget ausprobieren. Der Markt ist jung, und wer früh testet, kennt die Eigenheiten, bevor die großen Budgets kommen. Ohne Conversion-Tracking lohnt sich der Test allerdings nicht. OpenAI bietet dafür ein eigenes Pixel und eine Conversions-API. Nur so lässt sich vergleichen, was ein Kunde aus ChatGPT kostet und was einer aus Google.

Shops sollten erst den Produktfeed anbinden und dann über Shopping-Anzeigen nachdenken.

Wichtiger finden wir aber etwas anderes. Die Anzeige steht unter der Antwort. Wer in der Antwort selbst als Anbieter genannt wird, bekommt die Aufmerksamkeit zuerst und zahlt keinen Klickpreis dafür. Dazu muss die eigene Website so aufgebaut sein, dass KI-Systeme sie verstehen und zitieren. Wie das geht, steht in unserem Beitrag zu Generative Engine Optimization. Mit dem GEO-Audit lässt sich prüfen, wie zitierfähig die eigene Seite heute ist. Für die meisten Mittelständler ist das der größere Hebel als die Anzeige darunter.

Fazit

Ab jetzt kann in Deutschland jede Firma Anzeigen in ChatGPT schalten. Das ist neu und für manche Branchen einen Test wert. Dass ChatGPT bald an Google Ads vorbeizieht, geben die Zahlen nicht her: Google setzt mit Suchwerbung in einem Quartal mehr als sechzigmal so viel um wie ChatGPT Ads im ganzen Jahr. Die Richtung stimmt trotzdem. Werbung wandert dorthin, wo Menschen ihre Fragen stellen, und das ist immer öfter eine KI-Antwort. Wer dort vorkommen will, sollte zuerst in der Antwort auftauchen. Die Anzeige darunter ist die Ergänzung.

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Dominik Rieken

Autor

Dominik Rieken

Gründer & Geschäftsführer, Pixzl