Coolify vs. Dokku vs. CapRover – was sich für Devs 2026 wirklich lohnt
Drei self-hosted PaaS-Plattformen im ehrlichen Vergleich. Welche passt zu welchem Workflow, wo jeder Kandidat strauchelt, und warum wir intern Coolify nutzen.

Warum das Thema gerade aktuell ist
Heroku hat 2022 die Free Tier gestrichen, Vercel und Railway drehen regelmäßig an den Preisen nach oben, Fly.io hat im letzten Jahr das Einstiegs-Volumen halbiert. Für kleine und mittlere Projekte bedeutet das: Was 2020 noch 0 € gekostet hat, kostet 2026 gern mal 30–80 € im Monat – ohne dass sich am Produkt oder am Traffic etwas geändert hätte.
Parallel dazu sind günstige europäische VPS-Anbieter für viele Entwicklerteams die heimliche Standard-Alternative geworden. Ein kleiner Server für 6 € im Monat liefert oft mehr Resources als ein 50-€-Plan bei Railway. Der Haken: Du brauchst etwas, das deine App auf diesen Server bringt – ohne dass du mit Ansible, systemd und Nginx hantieren musst.
Genau dafür sind self-hosted PaaS-Plattformen da. Drei Kandidaten dominieren das Feld: Coolify, Dokku und CapRover. Alle drei quelloffen, alle drei Docker-basiert, alle drei deutlich jünger und moderner als „Dockerfile + Nginx selbst schreiben". Aber sie zielen auf ziemlich unterschiedliche Entwickler-Typen.
Wir haben jede davon ausprobiert, intern produktiv eingesetzt, und nutzen heute Coolify. Dieser Post ist unser ehrlicher Vergleich – was jede kann, wo sie schwächelt, und für welchen Use Case du welche nehmen solltest.
Die drei im Überblick
| Kriterium | Coolify | Dokku | CapRover |
|---|---|---|---|
| Interface | Web-UI, voll featureful | CLI-first (Heroku-CLI-ähnlich) | Web-UI, funktional |
| Installationsaufwand | curl-Skript, ~5 Min |
curl-Skript, ~3 Min |
docker run, ~2 Min |
| Docker-Compose-Support | Ja, nativ | Plugin (mit Einschränkungen) | Nein, Single-Image only |
| Multi-Server | Ja, ab v4 | Nein | Swarm-Cluster möglich |
| Team-/User-Management | Ja, ab v4 Pro | Eingeschränkt (SSH-Keys) | Basic Admin-Users |
| Geeignet für | Teams, komplexe Setups | Solo-CLI-Workflows | Einfache Single-Service-Apps |
| Lizenz | Apache 2.0 | MIT | Apache 2.0 |
| Aktive Weiterentwicklung | Sehr hoch | Stetig, konservativ | Verlangsamt |
Die Tabelle sagt schon viel, aber nicht alles. Die Wahl zwischen den dreien ist weniger eine Feature-Check-Frage und mehr eine Workflow-Entscheidung.
Coolify: Das moderne All-in-One
Was es ist: Eine Web-UI, die auf deinem Server läuft und Docker orchestriert. Projekte, Services, Datenbanken, S3-Buckets, OAuth-Provider – alles über klickbare Formulare. Unter der Haube: Docker + Traefik als Reverse-Proxy + ein eigener Deployment-Engine, der Git-Hooks empfängt und rollt.
Stärken:
- Docker-Compose nativ unterstützt. Du kannst komplette Multi-Service-Setups als
docker-compose.ymldeployen – Webapp, Worker, Redis, Postgres in einem Commit. - Datenbanken als First-Class-Citizens. Postgres, MySQL, MariaDB, Redis, MongoDB, KeyDB, DragonflyDB – alles mit einem Klick inklusive automatischen Backups.
- Multi-Server seit v4. Ein Coolify-Cockpit orchestriert mehrere VPS-Nodes. Staging auf Server A, Production auf Server B – gleiche UI, nichts doppelt eingerichtet.
- Git-Integration funktioniert einfach. GitHub-App installieren, Repo verbinden, fertig – jeder Push deployt automatisch in den konfigurierten Branch.
Schwächen:
- UI-Komplexität. Wer Heroku-CLI-Simplicity erwartet, wird anfangs erschlagen. Coolify will viel können und zeigt das auch.
- Ressourcen-Footprint. Ein Idle-Coolify zieht ~500 MB RAM nur für die Steuerungs-Services. Auf einem kleinen 2-GB-VPS bleibt dann wenig Platz für tatsächliche Apps.
- Schnelle Releases bedeuten auch: gelegentliche Regressionen. v4 hatte in den ersten Monaten spürbare Bugs. Wer vierzehntägig seinen PaaS upgraden muss, ist falsch.
Für wen sich Coolify lohnt: Teams ab zwei Personen, Projekte mit mehr als einem Service, Kunden-Setups in einer Agentur. Wir setzen es bei Pixzl für alle Kunden-Hostings ein.
Dokku: Der minimalistische Heroku-Klon
Was es ist: „The smallest PaaS implementation you've ever seen" – der originale Tagline trifft's. Dokku ist Bash, Docker und ein paar clever verdrahtete SSH-Hooks. Keine Web-UI, alles über dokku-Kommandos auf dem Server.
Stärken:
- Workflow wie Heroku-CLI.
git push dokku maindeployt – Punkt. Wer aus der Heroku-Welt kommt, braucht fünf Minuten Umgewöhnung. - Extrem schlank. Ein Idle-Dokku zieht <50 MB RAM. Auf einem günstigen VPS mit 2 GB hast du noch richtig Platz für Apps.
- Rock-solid. Dokku gibt es seit 2013, die Codebase ist klein, Bugs sind selten. Wer Stabilität über Features stellt, ist hier richtig.
- Buildpacks oder Dockerfile. Heroku-Buildpacks funktionieren direkt, du musst keine Dockerfiles schreiben, wenn dein Projekt ein Standard-Stack (Node, Python, Ruby) ist.
Schwächen:
- Keine Web-UI. Für Teams, die einen nicht-technischen Stakeholder (Designer, Projektmanager) zu Deployments einladen wollen: vergessen. Alles läuft über SSH.
- Docker-Compose nur mit Einschränkungen. Es gibt ein
dokku-compose-Plugin, aber das ist eine Notlösung – Dokku ist für Single-Service-Apps designed, wo jeder Service seine eigene Dokku-App ist. - Single-Server. Wer skalieren will, muss ab einem Punkt auf Kubernetes umsteigen. Dokku selbst kennt kein Cluster-Konzept.
- Konservative Release-Zyklen. Dokku macht keine grundlegenden Umbauten, aber auch wenige Modernisierungen. Wer einen aktiv weiterentwickelten Stack will, wird woanders glücklicher.
Für wen sich Dokku lohnt: Einzelkämpfer mit klassischem Heroku-Workflow, CLI-Puristen, Low-Resource-Setups. Wer „ein Kommando, eine App, fertig" mag, findet hier die eleganteste Lösung.
CapRover: Der Pragmatische in der Mitte
Was es ist: Ebenfalls Web-UI + Docker, aber bewusst simpler gehalten als Coolify. Entwickler aus der Fintech-Szene hat CapRover ursprünglich als Alternative zu Heroku gebaut, inzwischen läuft es bei zahlreichen Mid-Size-Deployments.
Stärken:
- Einstiegsfreundlichkeit. Die UI ist übersichtlicher als Coolifys, weniger Optionen, weniger Fallstricke. Wer „ein Button für alles" will, kommt hier am schnellsten an.
- One-Click-Apps. Vorkonfigurierte Deployments für WordPress, Ghost, Matomo, Redis etc. – schneller Start für Standard-Setups.
- Swarm-basiert. Im Gegensatz zu Dokku kann CapRover tatsächlich skalieren, wenn du es mit mehreren Nodes im Docker-Swarm-Cluster betreibst.
Schwächen:
- Kein Docker-Compose. Das ist der große Knock-out. Wenn dein Projekt aus mehr als einem Container besteht, musst du jeden Service einzeln in CapRover anlegen und selbst verdrahten. Das wird bei 5+ Services schnell nervig.
- Weniger Datenbank-Integration. Datenbanken laufen als One-Click-Apps ohne echtes Lifecycle-Management – keine automatischen Backups, keine Upgrade-Pfade.
- Release-Cadence langsamer. CapRover wird gepflegt, aber die Weiterentwicklungs-Geschwindigkeit fällt deutlich hinter Coolify zurück.
- Single-Company-Team. CapRover wird im Wesentlichen von einer Person gepflegt. Das ist okay, aber bei einem kritischen Bug hängst du an dessen Zeitplan.
Für wen sich CapRover lohnt: Einfache Single-Service-Apps, Nicht-Entwickler, die trotzdem self-hosten wollen (z. B. ein Designer mit einer WordPress-Seite), Setups wo One-Click-Ghost-Installation wichtiger ist als Compose-Support.
Unsere Empfehlung
In Kundenprojekten empfehlen wir fast ausnahmslos Coolify. Die Gründe:
- Teams arbeiten daran. Auch wenn du allein anfängst, wächst ein Projekt meist mit. Coolify hat von Tag eins ein Team-Konzept.
- Docker-Compose ist Standard. Jede nicht-triviale Webapp hat heute mindestens Backend + Datenbank + Cache. Das als Compose-Setup zu deployen ist Alltag – wer auf Single-Image-PaaS setzt, wird früher oder später umsteigen müssen.
- Weiterentwicklung. Zwischen der ersten v4-Beta und der 2026er-Version liegen Welten. Die Plattform hat aktuell den Drive, neue Features kommen monatlich.
Für einzelne Hobby-Projekte auf einer sehr kleinen Maschine – etwa ein Side-Project auf einem 3-€-Server – nehmen wir manchmal Dokku. Einfach weil der Overhead viel kleiner ist und man dort nicht kaputt macht, was man nicht versteht.
CapRover setzen wir nirgends mehr produktiv ein. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil Coolify an jeder Stelle, wo CapRover passt, mittlerweile besser ist – und wo Coolify zu heavy ist, ist Dokku minimaler und stabiler.
Was wir sonst noch empfehlen
Wenn du dich für Coolify entscheidest: Lade dir unseren nativen Client Deploir runter. Menu-Bar-App für macOS, iOS-Companion mit Widgets, Live Activities während Deployments. Kein Replacement für die Web-UI – eine Ergänzung für den Day-to-Day-Check, ohne den Browser-Tab dauerhaft offen zu halten.
Self-hosting zahlt sich nicht ab Tag eins aus. Du investierst am Anfang ein paar Stunden in Setup, Backup-Strategie und Monitoring. Ab dem zweiten oder dritten Projekt auf derselben Maschine rechnet sich das Ganze klar – dann sind 6 € im Monat für einen kleinen VPS gegen 80 € bei Railway kein Gleichstand mehr, sondern ein 10x-Unterschied.
Welche Plattform auch immer du nimmst: Die Entscheidung „self-hosted vs. managed Cloud" ist 2026 kein religiöser Glaubenskrieg mehr. Beides hat Platz. Aber die Voraussetzungen, um self-hosted zu fahren ohne zum Full-Time-DevOps zu werden, sind heute deutlich besser als noch vor drei Jahren.
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