Zum Inhalt springen
Newsroom

iPhone Duo und iOS 27: Warum Falthandys jetzt erst richtig anfangen

Samsung faltet seit sieben Jahren, und trotzdem nennt Apple das iPhone Duo die größte Veränderung seit dem ersten iPhone. Warum das stimmt, und woran es trotzdem hakt.

6 min LesezeitApple
iPhone Duo und iOS 27: Warum Falthandys jetzt erst richtig anfangen
Artikel anhören0:00

Am 9. September hat John Ternus in Cupertino das iPhone Duo gezeigt und es „die größte Veränderung am iPhone seit dem ersten Modell" genannt. Man kann das als Marketing abtun. Samsung verkauft seit 2019 Falthandys, inzwischen in der siebten Generation. Google, Honor, Huawei und Motorola sind seit Jahren dabei. Wer 2026 ein faltbares Telefon vorstellt, ist erst einmal spät dran.

Und trotzdem glauben wir, dass Ternus recht hat. Das liegt weder am Scharnier noch am Titanrahmen. Es liegt daran, dass Apple die drei Dinge zusammenbringt, an denen Falthandys sieben Jahre lang gescheitert sind: ein Format, das im Alltag Sinn ergibt, ein Betriebssystem, das dafür gebaut wurde, und Apps, die mitziehen müssen.

Sieben Jahre Falthandys, zwei Prozent Markt

Das erste Galaxy Fold war 2019 ein Fiasko. Testgeräte gingen nach wenigen Tagen kaputt, Samsung verschob den Start um Monate und baute das Gerät um. Seitdem ist viel passiert. Die Scharniere sind besser geworden und die Geräte dünner. Das Galaxy Z Fold 8 ist ein sehr gutes Telefon.

Nur gekauft hat es kaum jemand. Nach Zahlen von Counterpoint Research machen Falthandys gerade einmal zwei Prozent des weltweiten Smartphone-Markts aus. Nach sieben Jahren. Rund drei Viertel davon tragen ein Samsung-Logo, was weniger über Samsungs Stärke sagt als über das Desinteresse der Konkurrenz und der Kundschaft.

Die Gründe sind immer dieselben. Der Preis liegt beim Doppelten eines normalen Oberklasse-Telefons. Die Innendisplays fühlen sich nach Plastik an und zeigen nach einem Jahr eine deutliche Rille. Und die Apps wissen mit dem großen Bildschirm nichts anzufangen, weil Android-Entwickler für dutzende Bildschirmformate bauen und ein Nischenformat ganz hinten auf der Liste steht. Ein aufgeklapptes Fold zeigt oft eine hochskalierte Handy-App mit schwarzen Balken.

Das ist die Ausgangslage, in die Apple jetzt hineinkommt. Und die Frage ist berechtigt: Was soll ein Konzern, der sieben Jahre zugeschaut hat, an diesen drei Punkten ändern?

Das Format: ein aufgeklapptes iPad, kein zusammengeklebtes Handy

Der erste Unterschied steckt in einer Entscheidung, die Apple früh getroffen hat. Ternus hat es in Interviews so beschrieben: Man wollte nicht „zwei Handyformen aneinanderkleben und dann dieses komische Quadrat bekommen". Stattdessen ging das Team von der Erfahrung aus, die Apple seit 15 Jahren mit dem iPad hat, und suchte ein Format, das aufgeklappt wie ein kleines Tablet funktioniert.

Herausgekommen ist das Seitenverhältnis eines DIN-A-Blatts, Wurzel 2 zu 1. Und zwar innen wie außen. Zugeklappt ist das Duo ein 5,4-Zoll-Telefon im Reisepass-Format, breiter als ein normales iPhone und mit einer Hand bedienbar. Aufgeklappt wird daraus ein 7,6-Zoll-Bildschirm mit derselben Proportion. Inhalte skalieren beim Öffnen einfach hoch, statt umzubrechen. Das klingt nach einem Detail. Es ist aber der Grund, warum sich das Duo in der Hand wie ein Gerät anfühlt und nicht wie zwei.

Dazu kommt die Falte. Apple hat für das Innendisplay eine Polymer-Deckschicht mit Nano-Textur gebaut, also eine matte Oberfläche wie beim Studio Display. Der Effekt ist simpel: Auf glänzenden Displays fällt jede Unebenheit sofort auf, weil sich das Licht darin spiegelt. Auf einer matten Fläche nicht. Tom Marieb, Apples Chef der Hardware-Entwicklung, hat sich dazu in einem Interview weit aus dem Fenster gelehnt: „Hold us accountable", die matte Oberfläche verzeihe auch die Veränderungen, die mit der Zeit kommen. Die ersten Eindrücke aus der Presse bestätigen zumindest den Start. Man sieht die Falte, wenn man sie sucht, und spürt sie kaum.

Der Rest der Hardware ist Apple-typisch: Titanrahmen, aufgeklappt 5,2 Millimeter dünn, IP68 gegen Wasser und Staub (Samsungs Fold 8 schafft nur IP48), der A20-Pro-Chip aus dem iPhone 18 Pro, 12 GB RAM, zwei Akkus für rund 24 Stunden. Es gibt auch Kompromisse. Face ID fehlt, entsperrt wird per Touch ID im Seitenknopf. Ein Teleobjektiv gibt es nicht, nur zwei 48-Megapixel-Kameras. Und mit 254 Gramm ist das Duo das schwerste iPhone, das Apple je gebaut hat.

iOS 27 ist der eigentliche Unterschied

Samsung hat die letzten sieben Jahre Android für seine Foldables erweitert. Apple hat iOS 27 für das Duo umgebaut. Den Unterschied sieht man beim Aufklappen sofort.

Das Dock wandert auf die rechte Seite, damit der Daumen es erreicht. Die Dynamic Island steht senkrecht in der Ecke. Der Homescreen bekommt aufgeklappt eine zweite Seite mit Widgets. Zum ersten Mal auf einem iPhone laufen zwei Apps nebeneinander, mit App-Paaren, die sich merken lassen. Wer das Gerät halb aufklappt und hinstellt, bekommt StandBy, auch ohne Ladegerät. Wer es umdreht, sieht seine Inhalte auf dem anderen Display weiterlaufen. Und ab Ende des Jahres lässt sich mit dem Apple Pencil darauf schreiben. Auf einem iPhone.

Auch iOS 27 selbst, seit dem 14. September für alle verfügbar, spielt dem Duo in die Karten. Die neue Siri AI, die auf Google-Modellen aufsetzt, kann auf dem Duo in der einen Bildschirmhälfte mitlaufen, während in der anderen eine App offen ist. Dual Capture nimmt Front- und Rückkamera gleichzeitig auf. iPhone Handoff erlaubt zwei iPhones mit derselben Nummer, hierzulande zum Start bei der Telekom. Und Liquid Glass lässt sich endlich zurückdrehen, für alle, denen die Optik aus dem Vorjahr zu viel war.

Der Wermutstropfen bleibt derselbe wie zur WWDC: Siri AI kommt vorerst nicht in die EU, und zuerst nur auf Englisch. Wer in Deutschland ein Duo kauft, kauft die Hardware und wartet auf einen Teil der Software.

Der Hebel, den Samsung nie hatte: die Apps

Jetzt der Punkt, der für uns als Agentur der wichtigste ist. Auf Android gab es sieben Jahre lang keinen Grund, eine App an Falthandys anzupassen. Zwei Prozent Marktanteil, verteilt auf ein Dutzend Geräte mit unterschiedlichen Formaten. Wer sollte dafür Budget freigeben?

Beim Duo ist die Rechnung anders. Es gibt genau ein Gerät, ein Seitenverhältnis, ein SDK. Bestehende Apps laufen ohne Änderung, aufgeklappt aber erst einmal im normalen iPhone-Format. Wer mit dem iOS-27.1-SDK baut, bekommt das volle Innendisplay, senkrechte Navigationsleisten und die neuen Bausteine für zweispaltige Layouts. Wer seine App ohnehin mit Size Classes und Split Views gebaut hat, ist mit wenigen Handgriffen durch. Apple hat dafür einen eigenen Simulator und ein Tech-Talk-Video bereitgestellt.

Wichtiger als die Technik ist aber der Druck. Counterpoint rechnet damit, dass Apple im ersten Jahr ein Viertel des Foldable-Markts übernimmt und Samsung von 40 auf 32 Prozent drückt. Apple hat laut Berichten zehn Millionen Geräte bestellt, Analyst Jeff Pu geht wegen Engpässen beim Scharnier von sechs Millionen im Anlauf aus. Selbst die vorsichtige Zahl bedeutet: Innerhalb eines Jahres gibt es mehr Nutzer mit einem aufgeklappten iPhone, als die meisten Android-Foldables in ihrer ganzen Modellgeschichte erreicht haben. Und die installieren dieselben Apps wie alle anderen iPhone-Nutzer. Wer seine App nicht anpasst, sieht auf dem teuersten iPhone wie ein Nachzügler aus. Das hält kaum ein Entwickler lange aus.

Das ist die Revolution: Falten wird zum Normalfall, mit dem jede iOS-App rechnen muss.

Wo Samsung weiter vorne liegt

Fair bleibt: Das Fold 8 kann Dinge, die das Duo nicht kann. Drei Apps nebeneinander statt zwei. Ein Desktop-Modus am Monitor über DeX. Rund 50 Gramm weniger Gewicht. Ein echtes Teleobjektiv. Und ein niedrigerer Preis. Wer sein Falthandy als Arbeitsgerät nutzt und mit Android klarkommt, hat mit Samsung weiterhin das vielseitigere Gerät.

Der Preis des Duo ist dann auch die Stelle, an der die meisten aussteigen werden. In Deutschland kostet es ab 2.299 Euro mit 256 GB, das 2-TB-Modell liegt bei 3.799 Euro. Marketingchef Greg Joswiak sagt dazu, es heiße aus gutem Grund Duo, es seien „wie zwei Produkte". Man kann das so sehen. Man kann auch ein iPhone 18 Pro und ein iPad mini kaufen und hat noch Geld übrig. Vorbestellen lässt sich ab dem 16. Oktober um 14 Uhr, ausgeliefert wird ab dem 23. Oktober.

Unsere Einschätzung

Für die meisten unserer Kunden ist das Duo im ersten Jahr kein Kaufkandidat. Zu teuer, zu neu, und die Software, die den größten Unterschied macht, kommt in Europa mit Verzögerung.

Trotzdem halten wir es für das wichtigste iPhone seit Jahren, weil es die ganze Kategorie verändert. Samsung hat gezeigt, dass Falthandys technisch gehen. Apple zeigt, wie sie sich in ein Ökosystem einfügen, in dem Hardware, System und Apps nach einer Regel gebaut werden. Bei Android war das nie so, und deshalb blieben Foldables dort eine Spielerei für Enthusiasten.

Wer eine eigene iOS-App hat, sollte sie jetzt auf das Duo vorbereiten. Und wer eine neue App plant, die das aufgeklappte Format wirklich nutzt, hat gerade den besten Zeitpunkt dafür. Beides machen wir: Wir passen bestehende Apps an das Duo an und entwickeln neue Apps, die von Anfang an für beide Displays gedacht sind. Meldet euch bei uns.

Beitrag teilen

Dominik Rieken

Autor

Dominik Rieken

Gründer & Geschäftsführer, Pixzl